Ein britisches Demonstrationsdorf läuft nun seit fünf Heizperioden mit flüssigem Biobrennstoff. Die Technik war nie das Problem. Es war die Steuer — und das ist sie auch in Dänemark.
Am 1. September 2026 feierten der britische Branchenverband OFTEC und die Kampagne Future Ready Fuel ein Jubiläum: fünf Jahre HVO im Dorf Kehelland in Cornwall.
Das ist einen Moment des Innehaltens wert. Nicht, weil ein englisches Dorf an sich eine große Nachricht wäre, sondern weil Kehelland etwas ist, das in der Energiedebatte selten vorkommt: ein mehrjähriger Feldversuch in vollem Maßstab mit echten Haushalten, echten Wintern und echten Rechnungen.
Worum es bei dem Versuch tatsächlich ging
Kehelland liegt außerhalb des Gasnetzes. Die Häuser wurden mit Kerosin („kerosene“) beheizt — dem, was in Dänemark und Deutschland Heizöl entspricht. 2020 begann der lokale Brennstoffhändler Mitchell & Webber gemeinsam mit den Branchenverbänden UKIFDA und OFTEC, das fossile Öl durch HVO zu ersetzen: flüssigen Biobrennstoff, hergestellt durch Hydrierung gebrauchter Fette, in der Praxis vor allem gebrauchtes Speiseöl.
17 Haushalte machten mit. Ebenso die Kirche und die Schule des Dorfes. Seitdem wurde der Versuch landesweit auf über 150 Gebäude ausgeweitet.
Interessant sind die Zahlen der Umstellung:
| Kehelland-Versuch | |
| Umrüstung pro Gebäude | ca. 500 £ |
| Zeitaufwand pro Gebäude | ca. 1 Stunde |
| Kesseltausch | Nein |
| CO₂-Reduktion gegenüber Heizöl | ca. 88–90 % |
| Alternative: vollständige Umstellung auf Wärmepumpe | ca. 22.000 £ pro Gebäude |
Der Kessel blieb stehen. Der Brenner bekam neue Düsen und Dichtungen, der Tank wurde gereinigt, und das Haus lief weiter. Eine Stunde Arbeit und ein Betrag in der Größenordnung von 4.500 dänischen Kronen (rund 600 Euro) gegenüber einer vollständigen Umstellung für etwa 200.000 Kronen.
„Es zeigt, dass die grüne Wende ohne Investitionskosten, ohne Unannehmlichkeiten und mit nur begrenzten zusätzlichen Betriebskosten beginnen kann.“
Ken Cronin, Geschäftsführer, UKIFDA
Fünf Jahre später sind die Bewohner noch dabei — und weiterhin ungeduldig
Bemerkenswert ist nicht, dass es in der ersten Saison funktioniert hat. Bemerkenswert ist, dass die Anlagen nach fünf Jahren immer noch laufen. Keine der technischen Bedenken — Paraffinausscheidung bei Kälte, Angriff auf Dichtungen, instabile Verbrennung — hat sich im praktischen Betrieb als Hindernis erwiesen.
Bei der Jubiläumsveranstaltung war die Stimmung laut OFTEC jedoch gemischt. Die Bewohner haben Besuch von Parlamentsabgeordneten, Beamten, Ministern und Ausschüssen bekommen. Sie haben Fragen beantwortet, Stellungnahmen geschrieben und sind nach London gereist, um ihre Antworten persönlich zu übergeben. Wie es ein Bewohner ausdrückte: „Wir erzählen ihnen, was für eine hervorragende Lösung das ist, sie hören zu und sagen all die richtigen Dinge, aber es passiert nichts.“
Gefragt, warum sie mitgemacht haben, antworten die Bewohner etwas, das jedem Installateur bekannt vorkommen dürfte: Sie wollten einen Beitrag leisten, mehrere hatten bereits Photovoltaik und ein Elektroauto — aber die Angebote für Wärmepumpen waren zu teuer, es gab Sorgen um die lokale Stromversorgung, und es gab den Wunsch, selbst wählen zu können. „Niemand lässt sich gern sagen, was er zu tun hat.“
Was die Kampagne fordert, sind keine Subventionen
Future Ready Fuel und OFTEC bitten die britische Regierung nicht um einen Fördertopf. Sie fordern zwei Dinge:
- Eine Lieferantenverpflichtung für erneuerbaren Brennstoff zur Wärmeerzeugung — eine Renewable Liquid Heating Fuel Obligation, nach dem Modell, das bereits für Kraftstoffe im Verkehr gilt.
- Die steuerliche Gleichstellung von HVO zum Heizen mit Heizöl.
Punkt zwei ist der Kern der Sache. In Großbritannien kostet HVO zum Heizen etwa das Doppelte von Kerosin — und ein erheblicher Teil der Differenz ist Steuer auf ein Produkt, dessen CO₂-Fußabdruck um bis zu 90 Prozent niedriger ist.
Und hier wird es dänisch
Wir führen seit Herbst 2024 unseren eigenen Feldversuch durch: dänische Wohnhäuser, in denen fossiles Heizöl in bestehenden Ölheizungen über ganze Heizperioden durch HVO ersetzt wurde. Unsere Erfahrung ist dieselbe wie in Kehelland. Die Anlagen laufen. Die Technik war nie das Problem.
Das Problem sind die Steuerregeln — aber nicht ganz so, wie man denken würde.
Nach Zahlen des Brennstofflieferanten Biofuel Express (aktuelle Übersicht, 2025) ist das Bild vielschichtiger, als es auf den ersten Blick scheint. Auf reines HVO gibt es keine CO₂-Steuer. Die Energiesteuer ist dennoch höher als auf Heizöl: rund 2.460 dänische Kronen pro 1.000 Liter gegenüber 1.241 Kronen bei Heizöl — fast das Doppelte. Das liegt am EU-Mindeststeuersatz für Energieerzeugnisse, der eine Untergrenze für die Energiesteuer auf HVO setzt, unabhängig von dem niedrigeren Satz, den Biobrennstoff zum Heizen auf dem Papier erhalten könnte.
Im Gegenzug ist die CO₂-Steuer auf Heizöl nach der dänischen Steuerreform stark gestiegen — auf 2.261 Kronen pro 1.000 Liter im Jahr 2025, gegenüber 0 Kronen auf reines HVO. Das bedeutet, dass die Gesamtsteuer auf HVO (ca. 2.471 Kronen pro 1.000 Liter) am Ende immer noch niedriger ist als die auf Heizöl (ca. 3.513 Kronen) — aber der Vorteil stammt ausschließlich aus der Befreiung von der CO₂-Steuer. Die Energiesteuer selbst ist auf HVO höher, nicht niedriger, und genau diese Nuance geht in der Debatte oft verloren. Dasselbe Muster gilt für die NOx-Steuer: Sie wird bei fossilen Brennstoffen verbrauchsabhängig unabhängig von der Anlagengröße erhoben, bei Biobrennstoffen jedoch nur für große Anlagen über 1.000 kW. Eine normale Ölheizung im Wohnhaus liegt weit unter dieser Grenze, sodass auf reines HVO zur Wohnraumheizung auch keine NOx-Steuer anfällt.
Es geht also nicht um die CO₂-Steuer, und es geht nicht um Beimischung im Tank — man wechselt einfach von Heizöl zu HVO. Das Problem ist, dass die Energiesteuer selbst auf HVO höher ist als auf Heizöl, weil der EU-Mindestsatz eine Untergrenze setzt, unter die die dänische Heizölsteuer längst gefallen ist. Diese Steuer muss sinken, wenn HVO beim Preis ernsthaft mit Heizöl konkurrieren soll.
Warum es die 118.000 betrifft
Nach den Zahlen des dänischen Gebäuderegisters BBR für 2025 werden noch rund 118.000 dänische Wohnungen mit Ölheizung beheizt. Ein großer Teil davon kann und wird auf Wärmepumpe oder Fernwärme umstellen und tut das in diesen Jahren. Gut so.
Ein erheblicher Teil kann es jedoch nicht innerhalb weniger Jahre: Häuser außerhalb der geplanten Fernwärmegebiete, schlecht gedämmte Häuser, in denen eine Wärmepumpe erst nach einer Sanierung der Gebäudehülle Sinn ergibt, ältere Eigentümer in schwer beleihbaren Häusern, Mieter, die nicht über den Heizungsraum bestimmen, denkmalgeschützte Gebäude.
In der Zwischenzeit werden diese Häuser mit irgendetwas beheizt. Die Frage ist allein, ob es fossil ist.
Kehelland ist die fünfjährige Dokumentation dafür, dass es das nicht sein muss — und dass die Brücke eine Stunde und ein paar tausend Kronen pro Haus kostet, nicht zweihunderttausend und einen Platz in der Warteschlange für einen Netzanschluss.
Was unserer Meinung nach geschehen sollte
Wir schlagen flüssigen Biobrennstoff nicht als dauerhafte Grundlast für die dänische Wohnraumheizung vor. Biomasse ist eine knappe Ressource und hat höherwertige Verwendungen im Schwerlastverkehr, in der Schifffahrt und in der Prozessindustrie.
Wir schlagen ihn als Spitzenlast und als Brücke vor:
- Flüssigen Biobrennstoff zum Heizen von der Energiesteuer befreien — unter der Bedingung nachweisbarer Herkunft, mit innerhalb der EU gesammelten Rohstoffen und physischer Rückverfolgbarkeit statt reiner Massenbilanz.
- Mischungen von § 1 Abs. 4 des dänischen Mineralölsteuergesetzes ausnehmen, damit Beimischung nicht bestraft wird.
- „Fossil“ nach dem Molekül definieren, nicht nach dem Gerät. Eine Anlage, die nachweislich mit grünem Brennstoff läuft, ist keine fossile Anlage.
Das kostet keine Subventionskrone, erfordert keinen neuen Netzanschluss und keine Monteurstunde über die hinaus, die ohnehin anfällt.
Großbritannien hat fünf Jahre gebraucht, um zu beweisen, dass es funktioniert. Dänemark muss nicht weitere fünf brauchen, um dasselbe herauszufinden.
Arne Nielsen A/S liefert seit 1969 Brenner, Kessel und Wärmetechnik an Installateure, Industrie und Schifffahrt — heute sowohl Verbrennungstechnik als auch Wärmepumpen. Wir haben daher keine Technologie zu verteidigen, sondern ein Interesse daran, dass die Häuser ohne fossilen Brennstoff warm werden.
Haben Sie eine Anlage, für die HVO der Weg sein könnte? Schreiben Sie uns an info@arnenielsen.dk.
Quellen
- Future Ready Fuel / OFTEC, Newsletter 01.09.2026: „Happy Birthday HVO“ — fünfjähriges Jubiläum des HVO-Demonstrationsprojekts in Kehelland.
- Future Ready Fuel: „Cornish village offers a blueprint for rural decarbonisation“ — 17 Haushalte plus Kirche und Schule, ca. 500 £ und ca. 1 Stunde pro Gebäude, ca. 88 % CO₂-Reduktion, Wärmepumpen-Alternative ca. 22.000 £.
- Fuel Oil News, Januar 2026: „Five years of proof: Rural community takes HVO case to Westminster“ — über 150 Gebäude, Zitat Ken Cronin (UKIFDA).
- UKIFDA / OFTEC: Vorschlag einer Renewable Liquid Heating Fuel Obligation und steuerlichen Gleichstellung mit Kerosin.
- Skattestyrelsen (dänische Steuerbehörde), Antwort an Arne Nielsen A/S, 26.08.2024: Energiesteuer auf HVO100 als Heizbrennstoff wird zum selben Satz wie der entsprechende Brennstoff erhoben, jedoch keine CO₂-Steuer.
- Biofuel Express A/S: Steuerübersicht für Diesel-/Gasöl-/Kerosinprodukte, 2025 (Energiesteuer, CO₂-Steuer und NOx-Steuer für Heizöl und 100 % Biodiesel/HVO, DKK pro 1.000 Liter).
- EU-Energiesteuerrichtlinie: Der Mindeststeuersatz für Energieerzeugnisse setzt eine Untergrenze für die Energiesteuer auf Biobrennstoff, unabhängig vom nationalen Satz für Biobrennstoff zum Heizen.
- Skatteministeriet (Dänemark): Gesetz über die Stickoxidsteuer (NOx), geltende Sätze 2026 (verbrauchsabhängige NOx-Steuer auf Biobrennstoff gilt nur für Anlagen über 1.000 kW; normale Ölheizungen sind nicht erfasst).
- Dänisches Mineralölsteuergesetz § 1 Abs. 4 (Besteuerung von Mischungen zum höchsten Satz).
- Bolius/BBR: ca. 118.000 Wohnungen mit Ölheizung, 2025.
- Arne Nielsen A/S: eigener HVO-Feldversuch in dänischen Wohnhäusern seit Herbst 2024.